Impuls

Emotionen

Katja Demuth

Über die Natur schwieriger Emotionen

Unsere Emotionen und Gefühle sind in den seltensten Fällen das Problem – es ist unsere Beziehung zu ihnen. Lass uns nicht länger mit Oberflächlichkeiten beschäftigen, denn Emotionen sind das exakte Gegenteil. Den Umgang mit Emotionen wirst Du nicht meistern, wenn Du nicht bereit bist, Dir selbst in der Tiefe zu begegnen.

Darum schreib Dir den folgenden Schlüsselsatz jetzt ganz dick und fett in ein Notizbuch oder auf einen Zettel:

Emotionen sind Energie und Energie ist Leben.

Das Leben ist immer FÜR Dich.

Also sind Emotionen es auch.

Nimm Dir 1-2 Minuten, um darüber nachzudenken. Vielleicht spürst Du beim ersten Lesen eine Abwehrhaltung in Dir. Du hast schon viel Leid und Schmerz in Deinem Leben bisher ertragen oder sehen müssen und das soll alles FÜR Dich passiert sein?

  1. Ist es.

Schwierige Emotionen begegnen jedem Menschen. Sie sind ebenso natürlich wie angenehme und bestärkende Emotionen. Jedoch stellen sie uns bei Weitem vor größere Herausforderungen und wir fühlen uns ihnen häufig machtlos ausgeliefert.

Wenn uns mal wieder so eine Welle an Wut, Ärger, Trauer, Hass, Ablehnung, Frustration, Stress und Hilflosigkeit überrollt, wissen wir manchmal gar nicht mehr, was eigentlich gerade passiert. Und sehr schnell ist da nur noch Orientierungslosigkeit, Überforderung und manchmal als Schutzreaktion auch emotionale Leere.

Dabei haben schwierige Emotionen von Natur aus eigentlich ein eigenes Konzept, ja wie eine Art „Prozess“, dem sie folgen. Irgendwann kommt es bei vielen Menschen im Ablauf dieses natürlichen Prozesses zu Störungen. Der Prozess stoppt; wird blockiert. Die Emotion bleibt in unserem Körper „stecken“. Das Fühlen dieser Emotion verebbt für den Moment. Aber fortan haben wir in unserem Körper eine emotionale Blockade, die sich uns immer wieder in unterschiedlichen Situationen zeigt.

Wusstest Du, dass Emotionen natürlicherweise eigentlich nur eine Verweildauer in unserem Bewusstsein von 90 Sekunden haben? Vorausgesetzt, wir verlängern diesen biochemischen Lebenszyklus nicht künstlich durch entsprechende Handlungen. Und hier liegt ein essentieller Schlüsselpunkt im Umgang mit schwierigen Emotionen: Uns fehlt das Wissen, wie wir im Angesicht einer emotionalen Belastung mit den aufkommenden Gefühlen umgehen können.

Dieses Unwissen führt in 99 % aller Fälle zwangsläufig dazu, dass wir eine unangenehme Emotion aufrechterhalten und sie unser Wohlbefinden, unsere Lebensqualität maßgeblich mindert – wie lange sie das tut liegt ebenfalls in unserem Einflussbereich.

Um Dir das zu verdeutlichen, habe ich eine Grafik erstellt. Aus ihr erkennst du neben dem natürlich angedachten Verlauf einer Emotion zwei wesentliche Schlaglöcher, die dazu führen, dass schwierige Emotionen zu langfristigen Herausforderungen im Leben werden:

1.) Entweder durch eine Identifikation mit der entsprechenden Emotion

oder

2.) durch ein Vermeidungs-, Ablenkungs- und Unterdrückungsverhalten aufgrund von Überforderung.

 

Was kannst du jetzt aus dieser Grafik für dich mitnehmen?

1.) Unterdrücke niemals nie never ever deine Emotionen! Ich weiß, wie hart das klingt und ich weiß, wie viel Schmerz das bedeutet, belastende Emotionen zuzulassen. Es fühlt sich manchmal an, als würde es Dir den Brustkorb zerreißen und die Luft zum Atmen rauben.

Du musst aber verstehen, dass die Unterdrückung und bewusste Betäubung von Gefühlen (z.B. durch Alkohol, Drogen, Sex, Arbeit, Fernsehen, Essen, Videospiele, Glücksspiele, Social Media etc.) dazu führt, dass Du Dir Probleme unterschiedlichster Art in Dein Leben holst. Und das, obwohl Du eigentlich genau das Gegenteil anstrebst, nämlich Leichtigkeit, Glück, Freude, Liebe und Zufriedenheit.

Viele meiner Klienten haben zudem Schwierigkeiten, sich selbst annehmen zu können. Bereits in der ersten gemeinsamen Coaching-Session kommen sie zu der Erkenntnis, dass ein wesentliches Hindernis dafür die belastenden Emotionen sind, die sie bisher nicht annehmen konnten.

Emotionen sind ein Teil von jedem von uns. Entscheiden wir uns, nur die „guten“ zuzulassen und die „schlechten“ wegzustoßen bzw. zu vermeiden, landen wir zwangsläufig in einer Selbstakzeptanz-Problematik.

2.) Das andere Extrem ist ebenso wenig sinnvoll und konstruktiv im Umgang mit einer schwierigen Emotion: Identifiziere Dich nicht mit ihr! Die Emotion gehört zu Dir, aber sie ist nicht Du.

Du bist nicht die Wut. Du bist nicht die Angst. Du bist nicht die Trauer. Und Du bist auch nicht die Hilflosigkeit.

Du vermeidest die Identifikation mit einer Emotion im ersten Schritt sehr sehr einfach: Achte genau auf Deine Worte, wie Du mit Dir selbst in Deinen Gedanken sprichst und auch, was genau Du hörbar aussprichst.

Indem du sagst „Ich BIN wütend.“ machst Du die Emotion zu Deiner Identität für diesen Moment – es wird Dir schwerfallen, Dich davon zu distanzieren und die Emotion aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Sage stattdessen: „Ich FÜHLE Wut“. Und es wird augenblicklich Deinen Umgang mit dieser Emotion verändern, weil Du sie aus einer beobachtenden Position heraus betrachtest.

Wär schön, wenn es immer so einfach wäre, oder?

Ist es natürlich erfahrungsgemäß nicht, aber wenn Du nur eine Erkenntnis hieraus für Dich mitnimmst, dann lass es diese sein.

Verändere also Deine eigene Position zu der Emotion, indem Du in eine Rolle der Verantwortung eintrittst. Durch die Worte „Ich BIN (die Emotion)“ nimmst Du Dir komplett die Macht und wirst ohnmächtig gegenüber den starken körperlichen Symptomen, die durch die Emotion ausgelöst werden.

 

Livasone by Katja Demuth

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